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06.02.2012
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sueddeutsche.de
Damit es auch nach dem Studienabbruch weitergeht
Auch ohne Examen bleibt schließlich was hängen: Warum das Wirtschaftsministerium dazu auffordert, sich besser um Studienabbrecher zu kümmern.

Jahr für Jahr verlassen rund 55.000 Studierende in Deutschland ihre Hochschule ohne einen Abschluss. Die Gründe für den Abbruch sind vielfältig: Schlechte Beratung, realitätsferne Erwartungen oder Druck seitens der Eltern können zur Wahl des falschen Studienfachs führen. Und in Anbetracht der Studiengebühren sind es in zunehmendem Maße auch finanzielle Gründe, die einem erfolgreichen Ende des Studiums im Wege stehen. Die Bologna-Reform sorgt zudem für wachsenden Prüfungs- und Leistungsdruck und treibt viele Studenten dazu, die Flinte frühzeitig ins Korn zu werfen.
 
Erstsemesterstudenten in Mainz: Rund 20 Prozent werden ohne Abschluss bleiben.
Abschlusslos, arbeitslos, perspektivlos? Was klingt wie der typische Stoff für die "Quarterlife-Crisis", ist keineswegs zwangsläufige Konsequenz. Prominente Beispiele zeigen, dass es auch ohne Diplom, Master oder Staatsexamen mit der späteren Karriere klappen kann. Günter Jauch, Bill Gates, Steve Job, Mark Zuckerberg oder Steven Spielberg sind allesamt erfolgreich "gescheiterte" Studenten und in dieser Funktion bestens bekannt durch einschlägige Bildergalerien und Klickstrecken in den Onlineauftritten deutscher Nachrichtenwebsites. Trotzdem besteht wenig Zweifel daran, dass sich die Berufsaussichten ohne Hochschulabschluss nicht gerade verbessern. Jahrelanger Wissenserwerb bleibt de facto wertlos, weil nur das erfolgreiche Examen zählt. Übrig bleiben das meist lange zurückliegende Abitur, ein Gefühl des Scheiterns und nagende Selbstzweifel.
 
Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung (GIB) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums beschäftigt sich mit der problematischen Situation der Studienabbrecher und gibt jetzt Handlungsempfehlungen. Es geht um die "berufliche Integration" der Studienabbrecher, über die man, heißt es im Wirtschaftsministerium, zu wenig wisse. Es brauche bessere Aufklärung und eine "verstärkte Information über die Möglichkeit berufsbegleitender Studien und alternativer Abschlüsse". Außerdem sollten die Bescheinigungen für Zwischenleistungen besser dokumentiert werden, damit auch abgebrochene Studien zum Beispiel auf die Lehrzeit bei Ausbildungsberufen angerechnet werden könnten. Den Hochschulen wird darüber hinaus empfohlen, eine Art "Frühwarnsystem" zu schaffen, um die gefährdeten Studenten rechtzeitig zu entdecken und die Zahl der Abbrüche zu senken.
 
Immer mehr Unternehmen zeigen sich besorgt angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland. Insbesondere im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) gibt es mehr freie Stellen als qualifizierte Bewerber. Angesichts der demographischen Entwicklung ist kaum mit einer baldigen Schwemme an Ingenieuren und Forschern zu rechnen und so rückt der Umgang mit Studienabbrechern langsam in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Alljährlich 55.000 Studenten ohne Abschluss und mit schlechten Berufsaussichten, gleichzeitig zahlreiche Firmen, die erfolglos Stellenangebote inserieren. Das muss nicht sein, dachte sich – wenig überraschend – ein Student und rief vor neun Jahren die Internetplattform studienabbrecher.de ins Leben. Mittlerweile von professioneller Hand übernommen und immer weiter ausgebaut, soll diese Webseite interessierten Aussteigern und Quereinsteigern den Start ins Berufsleben erleichtern, bietet wertvolle Tipps und Informationen rund ums Thema sowie eine Jobbörse zur Vermittlung zwischen Arbeitgebern und "semi-akademischen" Nachwuchskräften.
 
Die bisherige Resonanz sei ermutigend, so Erhard Stahl, der Pressesprecher der Website. Die Unternehmen zeigten großes Interesse und machten größtenteils positive Erfahrungen. Im Laufe der letzten Jahre habe sich ein funktionierender Arbeitsmarkt mit guten Einstellungschancen entwickelt, es fänden sich zahlreiche, explizit auf Studienabbrecher ausgerichtete Stellenausschreibungen und die Plattform diene als zentrale Anlaufstelle für beide Seiten. Das vorhandene Wissen der Studenten werde genutzt und betriebsinterne Weiterbildungen ermöglichten dann die erforderlichen Abschlüsse. Die Unternehmen deckten dadurch ihren Bedarf an Fachkräften, während die Abbrecher dankbar über die "zweite Chance" seien und deshalb oftmals besonders motiviert an die neue Aufgabe herangingen. Doch trotz aller Bemühungen gilt natürlich auch weiterhin: Ein erfolgreicher Abschluss ist und bleibt die beste Grundlage für einen reibungslosen Übergang in die Arbeitswelt.
 
Simon-Hurtz
 
deutschlandfunk
Potenzial von Studienabbrechern nutzen- Bundewirtschaftministerium stellt Studie vor
Studium abgebrochen - was nun? In Deutschland verlassen jährlich 55.000 Studenten die Uni ohne Abschluss und finden selten einen adäquaten Job. Um das zu ändern, hat das Wirtschaftsministerium heute eine Studie zur beruflichen Integration von Studienabbrechern vorgestellt.
Karsten Hummel fährt Prospekte aus, in seinem Kleintransporter stapeln sich Gratispostkarten zum Mitnehmen und Programmhefte von Berliner Kinos.
"Sehr spät dran heute."
Karsten Hummel möchte seinen richtigen Namen nicht im Radio nennen. Er hat zwei Jahre Mediävistik in Berlin studiert, ist dann auf Jura umgestiegen. Nach einem enttäuschenden Praktikum und privaten Problemen hat er das Studium 2006 schließlich abgebrochen. Ein Fehler?
"Abschließend kann ich das noch nicht beurteilen, weil ich noch in der Findungsphase bin. Ich habe viel ausprobiert, einiges ist daneben gegangen, aber ich finde es immer noch sehr spannend, in diesem Prozess zu sein."
Nur mit einem Abitur in der Tasche hat Karsten Hummel keinen erfüllenderen Job gefunden. Die juristischen Kenntnisse aus vier Semestern Jurastudium interessieren niemanden. Damit ist Karsten Hummel einer von jährlich rund 55.000 Studienabbrechern in Deutschland. Viele von ihnen haben lange .... 
 
Von Philip Banse
Die WELT - online
Hoffnung für Studienabbrecher
Wer ein naturwissenschaftliches Studium geschmissen hat, braucht sich nicht zu verstecken. Junge, pfiffige Abbrecher haben ungeahnte Chancen
Prominente Beispiele von Bill Gates bis Steven Spielberg gibt es genug. Genau wie sie treffen in Deutschland jährlich rund 70 000 Studenten eine folgenreiche Entscheidung - sie brechen ihr Studium ab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dem einen liegt der akademische Betrieb nicht, anderen kommen finanzielle oder familiäre Probleme dazwischen. Geisteswissenschaftlern fehlt die Motivation, sich für einen oft als nahezu aussichtslos dargestellten Arbeitsmarkt zu qualifizieren, Naturwissenschaftler oder Juristen scheitern an hochgeschraubten Prüfungsanforderungen. Manch einer schmeißt dann irgendwann aus lauter Verzweifelung alles hin.
Was lange als ein besonders unschöner Einschnitt im Lebenslauf galt, macht die Jobsuche heute aber nicht mehr zwingend erfolglos. In den letzten Jahren hat sich auch für Studienabbrecher ein durchaus funktionierender Arbeitsmarkt entwickelt ......................
 
Sebastian Blottner
sueddeutsche.de
"Was kannst du denn mit deinem Studium später werden?" "Eigentlich alles." In den meisten Fällen heißt das: "Ich habe keine Ahnung." Viel zu viele Studenten wissen nicht, zu welchen Berufen sie ihr Studium befähigt. Die hohe Rate der Studienabbrecher ist daher nicht verwunderlich: Von dem Anfängerjahrgang 2001 mit 260.000 Studenten brachen 55.000 ihr Studium ab.
 
Maria Huber
Aufbau Ost einmal anders – oder die Wende der Wende?
Warum denn in die Ferne schweifen, wenn der Osten liegt so nah? Das fragen sich viele Studentinnen und Studenten angesichts der „Lockrufe" vieler Universitäten im Osten der Republik. Da gibt es sogar schon „Begrüßungsgeld" der anderen Art, wenn man seinen Studienplatz z.B. nach Frankfurt/Oder verlegt.
Durch die nicht vorhandene Studiengebühren und die niedrigeren Lebenshaltungskosten sind die Unis in Rostock, Greifswald, Jena, oder Dresden schon eine Überlegung Wert.
Es werden sogar schon extra „Rückholagenturen" eingesetzt, um „abgewanderte" Junge Leute zurückzuholen. Das werden schon mal knackige Werbesprüche  herangezogen wie z.B. „Leben zwischen Strand und Audimax" und Jena soll zur studentenfreundlichsten Stadt werden. Na dann – viel Erfolg! Wenn es dann mit den Arbeitsmöglichkeiten im Anschluss an das Studium auch noch besser wird……
 
Carolin Mader
denk-weiter.de
Abbruch kein Beinbruch
Studium abgebrochen? Bloß nicht verzweifeln! Das Internetportal „studienabbrecher.com" bietet Tipps, Tricks und Angebote für Studienabbrecher, die sich mehr erwarten als Harzt IV ....
David Deißner
Bild.de
Was haben Jörg Pilawa, Heike Makatsch und Bill Gates gemeinsam? Sie sind reich, berühmt – und Studienabbrecher. Alle drei haben keinen akademischen Abschluss. Und damit befinden sie sich in prominenter Gesellschaft.
Vera Laumann
FAZ - Gibt es ein Leben nach dem Studienabbruch?
Bill Gates tat es, Claudia-Schiffer tat es und Goethe war ganz kurz davor. Studienabbruch ist ein Problem, das nicht nur die Versager und Unbegabten in unserer Gesellschaft betrifft.  Fast 27 Prozent eines Studienanfängerjahrgangs, so ergab die erste vom Hochschul-Informations-System (HIS) durchgeführte Untersuchung, verlassen die Hochschule ohne Examen zweifellos eine alarmierend hohe Zahl.
Die Gründe, die zum Abbruch führen, sind vielfältig Doch nur jeder zehnte gibt sein Studium auf, weil er sich den Anforderungen nicht gewachsen fühlt. Wesentlich häufiger werden falsche Erwartungen, fehlender Praxisbezug und finanzielle Engpässe als Motive genannt. Keine Frage: Oftmals wäre die verfrühte Exmatrikulation zu verhindern gewesen, wenn die Betroffenen ihr Leben vor dem Studienabbruch besser geplant hätten. Wer die persönlichen Beratungsangebote der Arbeitsämter und Universitäten nutzt, läuft seltener Gefahr, bei der Fächerwahl eine Fehlentscheidung zu treffen. Der frustrierte Student der Meteorologie hätte rechtzeitig erfahren, dass er fundierte Physikkenntnisse und eine ausgeprägte mathematische Begabung benötigt, um in seinem Fach bestehen zu können; der BWL-¬Studentin, die sich zwischen 500 Kommilitonen im überfüllten Massenhörsaal verloren fühlt und Theorie als unnötigen Ballast empfindet, wäre eher zu einem Fachhochschul- oder Berufsakademie-Studium geraten worden. Dass sich intelligente Gymna¬siasten selbst helfen können und zur Unterstützung lediglich der Informationen aus dem Internet bedürfen, ist ein gefährlicher Trugschluss: Vielmehr hat die Differenzierung des Studienangebots und die Zahl der Unentschlossenen und Verunsicherten deutlich erhöht. Wer jedoch endgültig entschieden ist, der Almamater den Rücken zuzukehren, hat häufig mit einem Negativ¬Image zu kämpfen. Abiturienten mit schlechten Noten, die sich halbherzig für ein zulassungsfreies Fach eingeschrieben haben, das weder ihren Neigungen noch ihrer Eignung entspricht, werden auch bei der späteren Arbeitssuche auf Schwierigkeiten stoßen. Zu oft haben die Personaler gehört, dass die Lehrer Schuld haben und das Zeugnis keinen Aufschluss über die Wahren Talent& des Bewerbers gebe. Überzeugen kann hingegen der Nachweis eines erfolgreich absolvierten Praktikums - oder auch das Ergebnis eines psychologischen "Eignungstests, der ebenfalls zu den kostenlosen Angeboten, der Bundesanstalt gehört. Dass manche Arbeitgeber gezielt nach Studienabbrechern fahnden mag zunächst überraschen. Freilich gilt das Interesse nicht den Leistungsschwachen und Unmotivierten, sondern vielmehr denjenigen, die erste Grundkenntnisse in ihrem Fach gesammelt haben und nun bewusst den Einstieg in die Praxis suchen. Die Erfahrung zeigt, dass das Erleben eine persönlichen Scheiterns, wie es ein Studienabbruch nun mal darstellt, zu einem regelrechten Motivationsschub führt:
Im neuen Job oder in der neuen Ausbildung wollen die jungen Leute zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Und sie wandern in den seltensten Fällen anschließend in ein Studium ab. Im Internet gibt es bereits eine Plattform die es sich zur Aufgabe macht, die „Königskinder"  
 zusammenzubringen. Unter www.studienabbrecher.com finden Uni-Muffel Angebote renommierter Firmen, die ihnen ein Leben jenseits von Taxi fahren und Putzdiensten ermöglichen wollen. Wie schon die Eingangsbeispiele belegen:  Auch Studienabbrecher können Karriere machen.
FAZ – Bericht von Eva Peters Berufsberaterin AA- Frankfurt
manager-magazin.de
Auf zu neuen Ufern
Ein Viertel aller angehenden Akademiker bricht sein Studium ab. Aber was wird aus den verhinderten Magistern, wenn sie nicht gerade Bill Gates, Steven Spielberg oder Günther Jauch heißen? Für die berufliche Zukunft ist eine solche Entscheidung nicht unbedingt ein Makel. Auch Studienabbrecher können Karriere machen.
 
Sabine Schrader
Presseinformation der Rheinischen Post
Die Campus-Flüchtlinge

Düsseldorf (RP). Von 100 Studienanfängern in Deutschland verlassen nur 75 ihre Hochschule mit einem Abschluss. Und dann? Wer bei möglichen Chefs punkten will, sollte den Studienabbruch nicht als Makel, sondern als Kurskorrektur begreifen.


So viel packender als zuzuhören war es, selber zu erzählen. So viel spannender als bewegt zu werden war es, selber zu bewegen. So viel besser als das Studium war - das Leben. So schien es Armin Helbach.

Der Düsseldorfer quälte sich durch Germanistik-Vorlesungen, langweilte sich in Pädagogik-Seminaren. Mit jedem Semester ein bisschen mehr. Drum studierte er mit jedem Semester ein bisschen weniger. Arbeitete im Fachschaftsrat, ackerte in Hochschulgremien, rackerte als Praktikant. Und entdeckte, dass er, der Spund, älteren Firmenbossen etwas voraus hatte: Er verstand sich auf Computer; sie nicht. Helbach, hilf! Helbach half, programmierte, vernetzte Abteilungen, ersann IT-Lösungen, gründete mit anderen eine Multimedia-Agentur, wurde deren Geschäftsführer und schließlich konsequent: Studienabbruch im achten Semester. „Es nicht zu tun", sagt er, „wäre Selbstbetrug gewesen."

Von 100 deutschen Studienanfängern verlassen nur 75 den Campus mit einem Abschluss. Nach den jüngsten Erhebungen des Hochschul-Informations-Systems geht angehenden Akademikern vor allem in den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in der Informatik vorzeitig die Puste aus. Dort liegt die Abbrecherquote mit 45 beziehungsweise 38Prozent klar über dem 25-prozentigen Durchschnitt.

Die Statistiker haben es nicht dabei belassen, die Campus-Flüchtlinge zu zählen. Sie fragten auch nach deren Gründen. 17 Prozent sagten, dass sie vor allem Finanznot von der Hochschule in den Beruf getrieben hätte. Ebenso viele erzählten, die Praxis der Theorie vorzuziehen. Fast so viele (16 Prozent) erklärten, dass sie sich weder mit ihrem Fach noch mit den damit verbundenen beruflichen Möglichkeiten identifizieren konnten. Nur acht Prozent gaben auf, weil sie sich überfordert fühlten.

Was keine Statistik erfasst: Wie viele wie lange die Exmatrikulation vor sich herschoben, zweifelten, gar verzweifelten, weil sie - anders als Armin Helbach, Bill Gates oder Mick Jagger - eben nicht wussten, wie es danach weitergeht.

Die Zukunft als Leerstelle. Dann ein Studium dranzugeben, verlangt enormen Mut. Zumal der Abbrecher auch mit einem Grundsatz bricht: „Bring zu Ende, was du angefangen hast." Ein Versager, wem das nicht gelingt. Oder? „Natürlich bleiben Abbrechern bestimmte Berufe, Positionen oder Unternehmen verschlossen", urteilen Christine Öttl und Gitte Härter, Autorinnen des Ratgebers „Studienabbruch, na und ?". Doch stünden Abbrechern heute viel mehr Türen offen, zumal sich in der Arbeitswelt die Überzeugung durchsetze, dass vor allem die persönliche Qualifikation der Mitarbeiter über den Erfolg der Firma entscheidet. Und dass sich fachliche Defizite leichter ausgleichen lassen als persönliche.

Klingt ermutigend. Soll es auch. Weil Öttl und Härter gar nichts davon halten, den Kopf einzuziehen. Brust raus! Abbrecher sollten möglichen Bossen den Knick im Lebenslauf nicht als Makel, sondern als Kurskorrektur präsentieren. Dazu müssen sie freilich selbst daran glauben - und sich gut vorbereiten. Was kann ich, was will ich und welche Voraussetzungen bringe ich dafür mit? Wer das beantwortet hat - „am besten schriftlich", raten Öttl und Härter -, überzeugt.

Etlichen gelingt es, erzählt Rebecca Weigelt, die in der Personalabteilung der Aachen-Münchener Versicherungen in Köln arbeitet. Das Unternehmen bildet Versicherungskaufleute aus - und wendet sich gezielt an Studienabbrecher aller Fachrichtungen. Weil die Abbrecher, sagt Weigelt, „wissen, was sie wollen und können, ihre Chancen offensiver nutzen und sich mehr anstrengen als andere".

Weil er wusste, was er wollte, hat Armin Helbach wieder etwas abgebrochen: seine steile Unternehmer-Karriere - der beiden Töchter wegen. In seiner Firma arbeitet er nun als Teilzeitkraft. Wie es mit ihm weitergeht, wenn die Elternzeit abgelaufen ist? „Eine Festanstellung als System-Administrator in einer Behörde - das wird nichts ohne abgeschlossenes Studium", sagt der 30-Jährige. Zurück auf den Chefsessel? Unmöglich. Längst sitzt ein anderer darin. Helbach nimmt es hin. Kein Hader. „Ich denke daran, in meiner alten Firma eine neue Abteilung aufzumachen."

Gut so. Wie heißt's im Abbrecher-Leitfaden? „Lassen Sie die verschlossenen Türen links liegen. Halten Sie Ausschau nach den offenen."
Kathrin Lenzer
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